Todsünden im Social Media Marketing

Ob Youtube, Facebook oder Twitter – Social Media Plattformen sind aus der heutigen Internetlandschaft nicht mehr wegzudenken. Verständlich, dass Werbetreibende und Unternehmen auf diesen Zug aufspringen und den wachsenden Markt für ihre Kunden mit Instrumenten und Strategien erschließen wollen. Der Onlinemarketingberater Daniel Gremm erklärt, die sieben Todsünden im SMM.

Social Media Marketing ist weniger eine Strategie oder ein Instrument, als vielmehr eine grundlegende Veränderung des Marketing- und Vertriebsdenkens im Internet.

Was Werbetreibende und Unternehmen im Internet bislang falsch machen

Im klassischen Marketing herrschen meist 1:n Beziehungen, Hierarchien und einseitige Kommunikationskanäle. Dies alles existiert im heutigen Internet dank Social Media vielfach nicht mehr. Werbetreibende und Unternehmen müssen sich somit im Internet an die neue Situation gewöhnen, nur noch einer unter vielen zu sein, zu kommunizieren und sich die Aufmerksamkeit ihrer Verbraucher immer wieder von Grund auf zu erarbeiten.

Ob Kryptonite im Jahr 2004 oder Jack Wolfskin Oktober 2009 – beide Unternehmen mussten exemplarisch für viele schmerzlich erfahren, welche Auswirkungen Kardinalfehler im Social Media Marketing haben. Diese sieben Todsünden im Social Media Marketing sollten Sie daher vermeiden:

Taubheit

Werbetreibende entwickeln Kampagnen und setzen sie planmäßig um. Der Verbraucher spielt dabei meist keine relevante Rolle. Wenn sich Verbraucher auf Social Media Sites nun negativ über ein Produkt oder ein Unternehmen äußern, führt dies oft erst dann zu Veränderungen im Marketing, wenn der Umsatz bereits gelitten hat und dadurch das Unternehmen aufmerksam wird.

Kritik-Aversion

Sehr viele Werbetreibende und Unternehmen betreiben ihr Geschäft seit Jahrzehnten. Deshalb glaubt man oft bis ins letzte Detail genau zu wissen, was die eigenen Kunden und Verbraucher wollen. Die Kritiken einzelner Verbrauchern auf Social Media Sites, die nicht selten direkt Produkteigenschaften betreffen, werden somit vielfach nicht wahrgenommen oder gar ignoriert. Da sich Verbraucher aber vor Kaufentscheidungen immer häufiger im Internet informieren und privaten Meinungen immer mehr vertrauen, kann eine einzelne Meinung mehrere potentielle Käufer beeinflussen, wie das genannte Beispiel Kryptonite letztlich eindrucksvoll belegt hat.

Täuschung

Das anonyme Internet läd geradezu ein, sich darin anonym zu bewegen, sich darzustellen und zu äußern. Warum also nicht auch in Diskussionen zu den eigenen Produkten oder zum eigenen Unternehmen als ein Verbraucher auftreten und versuchen, die Diskussion positiv zu beeinflussen? Dieser Versuchung erliegen immer mehr Unternehmen und Werbetreibende, jedoch geht dies nicht selten nach hinten los. Entweder trägt man dabei zu dick auf und fällt auf, man verplappert sich irgendwann einmal oder wird von einem Dritten enttarnt. Dieser Versuch, seine Verbraucher für dumm zu verkaufen, führt nicht selten zu einem negativen Echo in der Blogger-Szene. Da das Internet nichts vergisst, hängt den Unternehmen diese negative PR sehr lange nach.

Beschränktheit

Kommunikationsplattformen sprießen seit einiger Zeit wie Pilze aus dem Boden. Während gestern Secondlife hipp war, sind es heute unter anderem Facebook und Twitter. Welche Plattformen morgen den Puls der Zeit widerspiegeln kann noch niemand seriös vorhersagen. Sicher ist nur, dass man sich heute als Unternehmen und Werbetreibender nicht mehr nur auf wenige Kommunikationsplattformen mit festen Kommunikationsstilen und -strategien beschränken kann. Die Verbraucher bewegen sich flexibel auf immer neuen Plattformen, die jeweils eine individuelle Ansprache und Strategie bedürfen. Andernfalls laufen die eigenen Marketing-Bemühungen ins Leere und man wird nicht wahrgenommen. Das genannte Beispiel Jack Wolfskin zeigt zudem deutlich, welche massiven negativen Auswirkungen bislang funktionierende eindimensionale Strategien im Internet dank Social Media entfalten können.

Faulheit

In keinem Medium verbreiten sich Informationen schneller als im Internet. Viele Unternehmen und Werbetreibende glauben nun, dass ihre einmal im Internet kommunizierte Botschaft sich kontinuierlich von selbst verbreitet. Im Gegenteil: Das Informationsangebot im Internet erhöht sich von Tag zu Tag exponentiell, sodass eine einzelne Information immer unbedeutender und schwerer auffindbar wird. Wenn Unternehmen und Werbetreibende nicht ständig auf den für sie relevanten Kommunikationsplattformen kommunizieren, werden sie im Internet deutlich schneller vergessen als in der realen Welt.

Egoismus

Social Media Marketing trägt nicht umsonst das Wort sozial im Namen. Auf den heutigen Kommunikationsplattformen geht es nicht nur um das Austauschen von Nichtigkeiten, sondern hier werden auch unzählige Fragen geklärt und Herausforderungen gelöst. Wenn sich Unternehmen hier nicht als versierte Gesprächsteilnehmer in ihrem Bereich uneigenützig als Helfer anbieten, dann überlassen sie ihren Mitbewerbern diese wichtige Reputationschance.

Austauschbarkeit

Einer der schwersten Fehler im Internet ist es, wenn man keine USPs beziehungsweise Alleinstellungsmerkmale für die eigenen Produkte kommuniziert, also komplett austauschbar ist. Dann gerät man meist zwangsläufig in einen Preiskampf, der im Internet wegen der großen Konkurrenzsituation nicht selten ruinös endet.

Fazit

Wer in Zukunft als Unternehmen oder Werbetreibender nur mit klassischen Marketinginstrumenten und -strategien agiert, wird es immer schwerer haben, seine Zielgruppe zu finden, zu erreichen und damit seine Produkte letztlich zu verkaufen. Social Media Marketing führt ständig zu neuen Kommunikationsplattformen und Formen, schafft klassische Hierarchien ab und fördert die offene Kommunikation. Wer hier als Unternehmen und Werbetreibender seine Marketingmaßnahmen nicht ständig anpasst und mit aktuellen Entwicklungen Schritt hält, der wird schnell überrannt.

 

Quelle: Newsletter Internet World Business

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